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Kunstmuseum Winterthur:

Anton Graff

Die Familie des Künstlers vor dem Bildnis Johann Georg Sulzers, 1785

Anton Graff - Die Familie des Künstlers vor dem Bildnis Johann Georg Sulzers

Anton Graff
Die Familie des Künstlers vor dem Bildnis Johann Georg Sulzers
, 1785
Kunst Museum Winterthur, Stiftung Oskar Reinhart, Ankauf, 1949
Foto: SIK ISEA, Zürich (Philipp Hitz)

Anton Graff war der bedeutendste Porträtist der deutschen Aufklärung. Mit Bildnissen von Bürgertum und Adel, von Bankiers und Unternehmern, von Dichtern und Denkern verlieh er dieser Epoche als einzigartiger Chronist ein Gesicht.

Der aus Winterthur stammende Künstler durchlief eine internationale Karriere, die seinen Ruf und seine Bilder von Winterthur bis Wien, von Moskau bis London und Paris getragen hat, obwohl er die meiste Zeit seines Lebens in Dresden, Leipzig und Berlin tätig war. «Bis in das Innere der Seele» zu schauen, darin bestand den Worten des Philosophen Johann Georg Sulzers zufolge die Meisterschaft von Anton Graff. Seine Zeitgenossen porträtierte er nicht, wie damals üblich, im Gestus der höfischen Repräsentation, vielmehr lag ihm daran, den Charakter des Einzelnen auszuloten, seine Individualität zu entdecken und seine seelischen sowie geistigen Qualitäten wiederzugeben.

Die private Darstellung seiner Familie ist eines der grössten Formate und zweifellos eines der bedeutendsten Gemälde im Werk Anton Graffs. Als Auftragswerk des Herzogs von Kurland ist es Ausdruck der Wertschätzung, die der Aristokrat dem Künstler entgegenbrachte. Denn es dokumentiert nicht nur den damals wachsenden Geniekult, sondern auch die bürgerliche Emanzipation der Aufklärung. Das Familienbildnis birgt verschiedene Beziehungslinien, so zwischen den Generationen und den Geschlechtern, aber auch in der Körperhaltung der einzelnen Figuren. Während die beiden Söhne im Vordergrund verschiedene Drucke betrachten, wird die Tochter von der Mutter im Lesen angeleitet. Das Tasteninstrument im Hintergrund mag auf die Harmonie des Familienlebens hinweisen. Der Künstler plädiert in diesem Bild für die Erziehung der Kinder zu gebildeten Menschen, woran die Kunst einen wesentlichen Anteil hat. Es sind dies die aufklärerischen Ideale von Johann Georg Sulzer, Graffs Schwiegervater, in dessen Porträt im Mittelgrund die Komposition gipfelt.