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Kunstmuseum Winterthur:

Camille Pissarro

Le Boulevard Montmartre, mardi gras, soleil couchant, 1897

Camille Pissarro - Le Boulevard Montmartre, mardi gras

Camille Pissarro
Le Boulevard Montmartre, mardi gras, 1897
Kunst Museum Winterthur, Ankauf, 1947
Foto: SIK-ISEA, Zürich (Martin Stollenwerk)

Camille Pissarro gehörte zu den impressionistischen Malern der ersten Stunde. Ihm ging es nicht nur um den malerischen Aufbruch. Er sah im Impressionismus den Ausdruck seiner sozial-anarchistischen Überzeugungen. Die impressionistische Malerei bedeutete die Auseinandersetzung mit dem zeitgenössischen Leben. Pissarro war lange Jahre der Maler der französischen Landschaft gewesen. Erst im Alter nahm er sich das Pariser Strassenleben als Motiv vor. Sein Händler, Durand-Ruel, hatte ihn dazu ermuntert, denn er hoffte auf guten Absatz solcher Bilder.

Im Februar 1897 mietete Pissarro ein Hotelzimmer mit Aussicht auf den Boulevard Montmartre. Er verbringe den ganzen Tag auf diesem Beobachtungsposten, schrieb er seinem Sohn. Gespannt erwartete er den Umzug des Mardi gras, den Höhepunkt des Karnevals. Er hatte sich darauf vorbereitet, dieses Volksfest zu malen. Die Zeit dafür war knapp bemessen. Das Bild ist deshalb spontan und skizzenhaft gemalt, die weisse Leinwand scheint oft durch. Auf dem Boulevard ist das Menschengewimmel zu sehen, dazwischen eine Litfasssäule und ein Kiosk. Von den Häusern fallen bunte Papierschlangen in die Szene. Sie mischen sich mit den noch kahlen Alleebäumen. Die dunklen Punkte und die Farbstreifen vermitteln den Eindruck des festlichen Taumels. Die bewegte Menge in der Stadt war ein neues Thema in der Malerei. Damit führte Pissarro den Impressionismus in das 20. Jahrhundert.