Carl Blechen
Die Ruinen des Septizoniums auf dem Palatin in Rom, 1829

Carl Blechen
Die Ruinen des Septizoniums auf dem Palatin in Rom, 1829
Kunst Museum Winterthur, Stiftung Oskar Reinhart, Ankauf, 1950
Foto: SIK-ISEA, Zürich (Philipp Hitz)
Im Herbst 1828 erfüllte sich Carl Blechen seinen Wunsch, Italien mit eigenen Augen zu sehen, und brach von Berlin in den Süden auf. Fernab von akademischen Vorgaben wurde das Italienerlebnis für den jungen Maler, der seine künstlerische Laufbahn erst mit 24 Jahren nach der Kündigung seines ungeliebten Berufs als Bankkaufmann eingeschlagen hatte, zur entscheidenden Wende.
Blechen war weder am klassischen Italien mit seinen Zeugnissen der Antike und den Meisterwerken der Renaissance interessiert, noch begeisterte ihn der Klassizismus der idealen und heroischen Landschaftsdarstellungen eines Claude Lorrain und Joseph Anton Koch. Wichtig wurde Italien für ihn als Ort der Auseinandersetzung mit einer neuen Malerei einer jüngeren Künstlergeneration, die das Flüchtige und Stimmungshafte der Landschaft, ihre Licht- und Farberscheinung spontan und präzise zu erfassen suchte.
Mit welcher Intensität Blechen sich den neuen Eindrücken hingab, erschliesst sich aus der immensen Fülle an Zeichnungen und Ölstudien, die er in den dreizehn Monaten schuf. Es sind schlichte Landschaftsausschnitte, die der Künstler in lockeren, flüssigen Pinselstrichen und farblich fein abgestuft erfasste. Die Arbeiten zeigen, dass Blechen Italien bereits mit den Augen einer neuen Generation sah. So auch die hier ausgestellte Ölstudie mit den Ruinen der Kaiserpaläste auf dem Palatin in Rom, die wohl im hellen Mittagslicht unmittelbar vor der Natur entstanden ist.
In diesen Studien gelangte Blechen zu einer entscheidenden Steigerung künstlerischer Ausdruckskraft, die den weiteren Verlauf seines Schaffens prägte. Ob «en plein air», also im Freien gemalt oder nachträglich im Atelier nach Zeichnungen zu kleinen Ölstudien oder grossformatigen Kompositionen ausgearbeitet, er gestaltete seine Landschaften bewusst so, dass sie die unmittelbare Frische eines vor der Natur skizzierten Motivs wiedergeben. So auch die hier gezeigte Meeresstudie und das Kapuzinerkloster bei Amalfi. Mit dieser an der Realität geschulten neuen Seh- und Malweise wurde Blechen zu einem Wegbereiter der Freilichtmalerei in der deutschen Kunst.