Caspar David Friedrich
Kreidefelsen auf Rügen, 1818

Caspar David Friedrich
Kreidefelsen auf Rügen, 1818
Kunst Museum Winterthur, Stiftung Oskar Reinhart, Ankauf, 1930
Foto: SIK-ISEA, Zürich (Philipp Hitz)
Caspar David Friedrich ist der bedeutendste Vertreter der Deutschen Frühromantik. In einer kleinen Stadt an der Ostsee geboren, war er mit der rauen Natur Norddeutschlands und der nahegelegenen Insel Rügen mit ihren berühmten Klippen gut vertraut. Auch nach dem Umzug nach Dresden 1798 kehrte er regelmässig hierher zurück.
Mit dem Gemälde Kreuz im Gebirge sorgte er in Dresden 1808 für einen Skandal. Denn anstelle eines religiösen Gemäldes in traditioneller Manier, präsentierte er eine Landschaft. Damit löste er in Deutschland einen bis dahin noch nie gesehenen Streit darüber aus, was ein Kunstwerk ist und was es abzubilden hat. Indem Friedrich das Göttliche durch die Natur selbst darstellte, überwand er die etablierte Trennung der Bildgattungen und schuf ein Manifest des romantischen Naturgefühls.

Caspar David Friedrich
Das Kreuz im Gebirge (Tetschener Altar), 1807/1808
Albertinum, Staatliche Kunstsammlungen Dresden
Foto: Elke Estel/Hans-Peter Klut, SKD
Das ist auch in Kreidefelsen auf Rügen zu spüren. Gemalt wurde es im Jahr seiner Heirat mit Caroline Bommer, kurz nach der Hochzeitsreise, die gemeinsam mit dem Bruder unternommen wurde. Dieser Umstand legt die mögliche Identifizierung der drei Figuren auf dem Bild nahe. Ihnen entsprechen wohl die drei Boote, die gerne als Lebensschiffe gedeutet werden und von denen das letzte nur als kleiner Pinseltupfer am Horizont erkennbar ist. Auch der Bildaufbau ist in drei Teile gegliedert: Der Vordergrund ist grün und mit Menschen und Pflanzen besetzt und könnte für das Leben stehen. Der Mittelgrund mit seinen gefährlichen, grell-weissen Felsen, steht für den Tod. Und das mit dem Himmel verschmelzende Meer bedeutet in dieser Leseart die Unendlichkeit, das Göttliche.
Das Werk gehört mit der fast gänzlich aufgegebenen Raumtiefe in seiner flachen Strenge zu den radikalsten Kompositionen Friedrichs. Gleichzeitig gehört es zu den buntesten und festlichsten Bildern dieses tief melancholischen Malers.