Caspar Wolf
Der Untere Grindelwaldgletscher, 1774

Caspar Wolf
Der Untere Grindelwaldgletscher mit Lütschine und dem Mettenberg, 1774
Kunst Museum Winterthur, Stiftung Oskar Reinhart, Ankauf, 1947
Foto: SIK-ISEA, Zürich (Philipp Hitz)
Wurden die Schweizer Alpen im ausgehenden Barock immer noch als unzugänglicher Ort des Schreckens angesehen, in dem sogar der gefürchtete Draco Helveticus sein Unwesen trieb und in das sich kaum ein Forscher, Maler, geschweige denn ein Tourist verirrte, änderte sich diese Wahrnehmung mit dem Berner Universalgelehrten Albrecht von Haller endgültig. In seinem 1732 erschienenen Gedicht Die Alpen adelte er die Bergwelt als irdisches Paradies und als Hort der Freiheit.
Geprägt vom neuen Verständnis für die Berge, die man nun zu erkunden und erforschen begann, setzte Caspar Wolf mit seiner einzigartigen Sicht auf die wirkmächtige Naturkulisse einen Markstein in der europäischen Landschaftsmalerei. Beflügelt vom Geist der Aufklärung brach er zu wagemutigen Gebirgstouren auf und setzte Gletscher und Gipfel, Schluchten und Wasserfälle prominent ins Bild. Noch nie war ein Maler mit Leinwand und Staffelei und naturwissenschaftlichem Rüstzeug im Gepäck so weit in die Berge vorgedrungen, noch nie wusste ein Künstler die Seherfahrung derart direkt auf Leinwand zu bannen, wie Caspar Wolf. Er fand für diese Ungetüme eine neue Bildsprache – eine Leistung, die erst Hodler wieder erreichen sollte.
Der Reigen der Schweizer Alpenmalerei erschliesst sich im Kunst Museum Winterthur, wie man ihn sonst kaum in einem anderen Schweizer Museum wiederfindet. Er wird eröffnet mit Felix Meyer, geht weiter über Johann Ludwig Aberli zu Caspar Wolf als deren Hauptvertreter und seinen Nachfolgern Peter Birmann und Johann Jakob Biedermann bis zu François Diday und Alexandre Calame.