Cuno Amiet
Stillleben mit Äpfeln und Tomaten, 1892

Cuno Amiet
Stillleben mit Äpfeln und Tomaten, 1892
Kunst Museum Winterthur, Stiftung Oskar Reinhart, Ankauf, 1953
Foto: SIK-ISEA, Zürich (Philipp Hitz)
Cuno Amiet gehört zu den grossen Erneuerern der Schweizer Malerei um 1900. Unter dem Eindruck der zeitgenössischen französischen Kunst löste er sich von der Tradition des 19. Jahrhunderts und überwand den damals alles dominierenden Einfluss Ferdinand Hodlers. Zusammen mit seinem Freund Giovanni Giacometti, dem Vater des berühmten Bildhauers Alberto Giacometti, begründete er eine lebensfrohe Farbmalerei, eine Art Fauvismus schweizerischer Prägung.
In ungewöhnlich langer Schaffenszeit hat sein Werk verschiedenste Entwicklungsphasen durchlaufen, wobei die Farbe stets die prägende Konstante blieb. Nach sporadischem Unterricht bei Frank Buchser und dem Besuch der Münchner Akademie zog er 1888 gemeinsam mit seinem Freund Giacometti nach Paris, wo die beiden mit der Avantgarde in Berührung kamen. Während der Bündner nach zwei Jahren aus finanziellen Gründen wieder in die Schweiz zurückkehren musste, zog Amiet weiter nach Pont-Aven in der Bretagne. Dieser Ort war die Wirkungsstätte von Paul Gauguin und zog zahlreiche junge Kunstschaffende an, die diesem Weg der Moderne folgten. Obschon Gauguin damals bereits in Tahiti weilte, war sein Einfluss immer noch gross. Amiet gelang hier der entscheidende Durchbruch in seiner künstlerischen Entwicklung. Durch das Studium Gauguins, aber auch van Goghs, den er hier ebenfalls entdeckte, schaffte er es, die tonige Malerei hinter sich zu lassen und fand zu einer leuchtenden Farbigkeit.

Cuno Amiet
Stillleben mit Äpfeln und Tomaten, 1892
Kunst Museum Winterthur, Stiftung Oskar Reinhart, Ankauf, 1953
Foto: SIK-ISEA, Zürich (Philipp Hitz)
In unserem 1892 in Pont-Aven gemalten Stillleben mit Äpfeln und Tomaten sind diese neuen Eindrücke verarbeitet. Der eng gefasste, horizontlose Bildausschnitt, die betonte Aufsicht und das Anschneiden des Gegenstands sind typische Kompositionsmittel von Amiets Vorbildern, die ihrerseits vom japanischen Holzschnitt angeregt waren. Die rhythmische und kontrastreiche Kombination von erdbeerroten und saftig grünen Strichen, die dynamische Pinselführung und der teilweise pastose Farbauftrag sind deutlich an der Kunst van Goghs orientiert, während die Konturlinien von Schale und Korb an den Cloisonismus Gauguins erinnern. Zusammen ergeben sie eine Symbiose avantgardistischer Malerei, mit der Amiet die Schweizer Kunst in eine neue Epoche führte.