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Kunstmuseum Winterthur:

Ferdinand Hodler

Blick ins Unendliche, 1913–1916

Ferdinand Hodler - Blick ins Unendliche

Ferdinand Hodler
Blick ins Unendliche
, 1913-1916
Kunst Museum Winterthur, Schenkung des Galerievereins, 1923
Foto: SIK-ISEA, Zürich (Jean-Pierre Kuhn)

Blick ins Unendliche (früher Blick in die Unendlichkeit) entstand im Zusammenhang mit dem Auftrag für ein Wandbild im Treppenhaus des Kunsthauses Zürich. Die Ausführung zog sich über Jahre hin. Die hiesige Fassung wurde im Frühling 1916 fertig gestellt. Sie folgte einer überdimensionalen Version, die heute im Kunstmuseum Basel zu sehen ist. Erst der letzte Entwurf wurde schliesslich in Zürich akzeptiert.

Das Bild wird von fünf blaugekleideten Frauenfiguren dominiert, die nebeneinander aufgereiht sind. Ihre Arme sind leicht abgehoben und bilden eine ornamentale Linie. Die Hände scheinen nacheinander zu greifen, berühren sich jedoch nicht. Ihre Blicke sind in die Weite, in die Unendlichkeit gerichtet. Die Figuren befinden sich in einer flächigen und stilisierten Landschaft, mit spärlich gesetzten ornamentalen Pflanzen. Karg und doch deutlich gezeichnet erscheint die Erde vor dem unendlichen All.

Blick ins Unendliche ist vom Spiel mit der Symmetrie bestimmt. In der Komposition nimmt Hodler Gedanken auf, die er in den 1890er Jahren unter dem Begriff des Parallelismus zusammengefasst hatte. Er glaubte darin die Grundlage aller Naturphänomene zu erkennen. Der Künstler bezeichnete damit die Wiederholung der Erscheinungen, die schliesslich den Eindruck von Einheit erzeugt. Um die Einheit ging es Hodler vor allem – Einheit als Harmonie, Einheit als formales Prinzip. Hodler sah die Einheit aber auch als philosophische Vorstellung vom Wesen der Dinge. Diese Einsicht beruhte darauf, «dass das, was uns verbindet, stärker ist als das, was uns unterscheidet».

Ferdinand Hodler - Blick ins Unendliche

Ferdinand Hodler
Blick ins Unendliche
, 1913-1916
Kunst Museum Winterthur, Schenkung des Galerievereins, 1923
Foto: SIK-ISEA, Zürich (Jean-Pierre Kuhn)