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Kunstmuseum Winterthur:

Fernand Léger

Le balcon, 1914

Fernand Léger - Le Balcon

Fernand Léger
Le Balcon, 1914
Kunst Museum Winterthur, Legat Dr. Emil und Clara Friedrich-Jezler, 1973
Foto: SIK-ISEA, Zürich (Martin Stollenwerk)

Fernand Léger war nicht der Maler fein nuancierter Farbklänge wie Robert Delaunay, er war auch kein strenger Kubist wie Braque und Picasso. Léger war der Maler der expressiven Kontraste: Farbe, Linie, Form prallen in seinen Bildern direkt aufeinander. Léger suchte das Elementare, es diente ihm als Gerüst seiner Malerei.

Le balcon, wenige Monate vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges gemalt, zeigt eine Gruppe von Figuren. Léger zeichnete sie mit knappen schwarzen Strichen. Mit Rot und Grün sind die Formen flüchtig gefüllt. Weiss diente Léger dazu, die Plastizität markant hervorzuheben. Die Figuren haben mandelförmige Köpfe ohne Gesichter, sie sind ununterscheidbar. Ihre Glieder sind röhrenförmig, sie sind gleich konstruiert wie das Balkongeländer links im Vordergrund.

Im Hintergrund sind Häuser und Dächer angedeutet. Die Figuren stehen offenbar über dem Gewimmel der Stadt. Sie scheinen den Bildraum zu sprengen und drängen nach vorn, auf uns zu. Um die Bewegung zu evozieren, staffelte Léger die Figuren dicht hintereinander. Die Darstellung der bewegten Menge hatte er in den Bildern des italienischen Futurismus kennengelernt.

Sowohl die Futuristen als auch Léger waren fasziniert durch die rasant sich verändernde technische Welt. Léger wünschte sich dafür eine Kunst, «die so reich ist wie diejenige der grössten vergangenen Epochen und mit der», wie er sagte: «selben Tendenz zu grossen Dimensionen und kollektiv getragener Anstrengung».