Fernand Léger
Nature morte, 1927

Fernand Léger
Nature morte, 1927
Kunst Museum Winterthur, Legat Dr. Emil und Clara Friedrich-Jezler, 1973
Foto: SIK-ISEA, Zürich (Martin Stollenwerk)
Nach dem Ersten Weltkrieg nimmt Fernand Légers Werk eine Wendung. Die bewegten, fragmentierten Kompositionen machen einer neuen Form Platz. Eine kühle Ordnung bestimmt die Bilder.
Auf der Suche nach der klassischen, klaren Gestaltung näherte Léger sich der Wandmalerei und entwarf Projekte für Architekten. Die Nähe zur Architektur führte Léger in die Nähe der Abstraktion. Für den Realisten Léger war es aber undenkbar, ein Bild ohne erkennbare Figuren und Gegenstände zu malen. Er suchte deshalb ein Gleichgewicht zwischen figürlicher Darstellung und abstrakten Formen. «Das Bild besteht im Gleichgewicht dieser beiden Werte, des Realen und des Vorgestellten», schrieb er dazu. «Das Gleichgewicht zwischen den beiden Polen zu finden, darin liegt die Schwierigkeit».
In diesem Stillleben kommt das Gleichgewicht von Figur und abstrakter Form klar zum Ausdruck: Rechts der Mittelachse steht ein halbierter männlicher Torso. Er geht auf einen König aus dem Kartenspiel zurück. Vom Kostüm sind nur wenige Zeichen übriggeblieben – etwa die breiten Epauletten. Die Figur grenzt an ein plastisch modelliertes Element, das wohl aus der Welt der Technik stammt. Oben ist es von einer Schraube bekrönt.
Das rote Karo aus den Spielkarten findet sich im Bild an anderer Stelle. Rechteck, Dreieck und Kreisformen stehen für die geometrische Welt, Blätter und Ranken für die organische Welt. Alle diese Elemente sind nicht wie im traditionellen Stillleben zusammengestellt, sondern frei in der Fläche verteilt. Ein weiblicher Torso am linken Rand und ein Rahmen am rechten Rand fassen die Komposition ein.