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Kunstmuseum Winterthur:

Georges Braque

Nature morte à la guitare, 1919

Georges Braque - Nature morte

Georges Braque
Verre posé sur papier à musique oder Nature morte à la guitare, 1919
Kunst Museum Winterthur, Legat Dr. Emil und Clara Friedrich-Jezler, 1973
Foto: Hans Humm, Zürich

In den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg hatte Georges Braque zusammen mit Pablo Picasso die kubistische Malerei entwickelt. Dies war eine neuartige Darstellungsweise: Der Bildgegenstand wurde in einzelne Elemente zerlegt und in der Bildfläche frei zusammengesetzt. In der Betrachtung sollte daraus wieder ein Ganzes entstehen.

Der Krieg brachte für Braque eine Unterbrechung seiner Arbeit. Nach einer schweren Schädelverletzung begann er 1917 erneut zu malen. «Sie wissen, oder vielmehr: Sie wissen nicht, dass ich meine Bilder jetzt auf schwarzem Grund male. Es ist eine Farbe, um die uns der Impressionismus gebracht hatte und die sehr schön ist.» Dies schrieb Braque 1919 dem Händler und Freund Henry Kahnweiler über seine neuen Gemälde.

Die Gegenstände des Stilllebens auf dem schwarzen Grund wirken wie ein Relief. Schwarz sind auch die Trennlinien und die Schattenflächen, die zwischen den Gegenständen durch das Bild laufen. Braque suchte diese flächige Wirkung, das Ineinandergreifen der Formen anstatt einer räumlichen Darstellung. Deshalb arbeitete er mit Mitteln aus der Dekorationsmalerei, welche die Malfläche selbst ins Auge rücken: Die auffällige Tupfenmusterung der Tapete, die imitierte Holzmaserung von Tischplatte und Fuss, das Beimischen von Sand in der Ölfarbe, so dass eine raue Oberfläche entsteht, die auffällige Teilung in Licht- und Schattenflächen – in der Karaffe und im Glas.

Das Stillleben ist nicht auf den ersten Blick lesbar, denn Braque überspielt die Gegenstände raffiniert. Damit fordert er den Betrachter heraus, in seiner Vorstellung aktiv am Prozess teilzunehmen.