Giorgio de Chirico
Autoritratto, 1924

Giorgio De Chirico
Autoritratto con la tavolozza, 1924
Kunst Museum Winterthur, Ankauf mit Mitteln der Gebrüder Sulzer AG aus Anlass ihres 125-jährigen Bestehens, 1959
Foto: SIK-ISEA, Zürich (Lutz Hartmann)
Vor dem Ersten Weltkrieg hatte der Italiener Giorgio de Chirico in Paris seine geheimnisvollen Bilder gemalt. «Pittura metafisica» nannte er seine Kunst, die grossen Einfluss auf die europäische Malerei gewann. Doch de Chirico wollte nicht zu den Modernen gehören, und er wandte sich 1918 der Malerei der alten Meister zu. In zahlreichen Selbstbildnissen stellte er sich als Maler in der klassischen Tradition dar.
Im Winterthurer Selbstbildnis von 1924 steht er mit Pinsel und Palette vor der Staffelei mit einem angefangenen Bild. Auf einem kleinen Tisch stehen die Fläschchen mit den Ingredienzien der Malerei. De Chirico legte grosses Gewicht darauf, wie die alten Maler mit Temperafarben und nicht in Öl zu malen. Das Handwerk erhielt neue Bedeutung. Im selben Jahr verfasste De Chirico ein Lehrbuch über Maltechnik.
In seiner Pose imitiert er den Schweizer Maler Arnold Böcklin, der sich so dargestellt hatte. De Chirico hatte Böcklins Werk in München kennengelernt, wo er kurze Zeit studierte. Ihn faszinierten Böcklins Realismus und seine poetische Fantasie. De Chirico spielt in diesem Selbstbildnis seine Rolle als Maler. Die Inszenierung ist pathetisch. Sie ist gesteigert durch die lateinische Inschrift, die besagt: «Ewiger Ruhm wird mir zuteil, auf dass ich immer und allenthalben gepriesen werde».