Henri Rousseau
Pour fêter le bébé!, 1903

Henri Rousseau
Pour fêter le bébé!, 1903
Kunst Museum Winterthur, Schenkung der Erben von Olga Reinhart-Schwarzenbach, 1970
Foto: SIK-ISEA, Zürich (Martin Stollenwerk)
Das Kinderbild von Henri Rousseau soll ein Auftragsbild gewesen sein. Früh schon rankten sich Mythen um das Bild und seinen Schöpfer. Es wird berichtet, die Eltern des Kindes hätten das Bild für eine Wäscherechnung fortgegeben.
Henri Rousseau war ein Aussenseiter: Er bewunderte die akademischen Maler und doch wurde er zum Helden der Avantgarde. Die Gründe dafür lassen sich in diesem Bild finden: Es ist kein naturalistisches Kinderporträt. Die Figuren treten dem Betrachter frontal gegenüber, sie sind uns unmittelbar nahe. Kind und Hampelmann, belebte und unbelebte Figur, stehen auf derselben Ebene. Blumen und Gräser sind so präzise wiedergegeben wie die Blätter des Baumes. Zwischen Nah- und Fernsicht wird nicht unterschieden; man hat den Eindruck eines Bühnenprospekts. Rousseau arbeitete mit klaren Farbflächen: Tiefes Grün und Blau umgeben das weisse Hemd des Kindes. Dazu kommt Rot im Blumenstrauss und auf dem Kostüm der Puppe.
Rousseau schaffte im Bild Gegensätze: Der dicht belaubte Baum und die karge Baumsilhouette, die Blumen auf der Wiese und das Sträusschen im geschürzten Hemd des Kindes, Jugend und Alter, natürliche und mechanische Welt, unschuldige Nacktheit und Kostümierung, weisses Gewand und farbige Musterung. Von Vallotton bis Picasso reichte die Bewunderung für Rousseau. Die Kubisten und der Blaue Reiter, der Magische Realismus und der Surrealismus erblickten in Rousseau ein Vorbild und den Wegbereiter einer neuen Malerei.