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Kunstmuseum Winterthur:

Jacques-Laurent Agasse

Schimmel auf der Weide, um 1806/1807

Jacques-Laurent Agasse - Schimmel auf der Weide

Jacques-Laurent Agasse
Schimmel auf der Weide
, um 1806/1807
Kunst Museum Winterthur, Stiftung Oskar Reinhart, Ankauf, 1937
Foto: SIK-ISEA, Zürich (Philipp Hitz)

Der Genfer Künstler Jacques-Laurent Agasse spezialisierte sich bereits in jungen Jahren auf die Darstellung von Tieren. Da er teils auf dem Land aufwuchs, konnte er Pferde und Hunde in ihrer natürlichen Umgebung beobachten. In einem Porträt, das sein Jugendfreund Firmin Massot gemalt hat, sieht man Agasse in seinem Atelier sitzend mit Tierstudien im Hintergrund und einer Bulldogge an seiner Seite. Die Dogge wiederum wurde übrigens vom Porträtierten selbst hineingemalt.

Firmin Massot - Jacques-Laurent Agasse

Firmin Massot
Jacques-Laurent Agasse, um 1795
Kunst Museum Winterthur, Stiftung Oskar Reinhart, Ankauf, 1940
Foto: SIK-ISEA, Zürich, Philipp Hitz

Agasse lernte die Bedeutung der genauen Zeichnung und des sorgfältigen Naturstudiums beim berühmten Historienmaler Jacques-Louis David, bei dem er drei Jahre lang in Paris studierte. Später schloss er Bekanntschaft mit Lord Rivers, der sein Mäzen wurde und ihn nach England holte. Dort stellte er regelmässig an der Royal Academy aus und wurde in der Nachfolge von George Stubbs zum talentiertesten Pferdemaler seiner Zeit. Selbst das Königshaus zählte zu seinen Kunden.

Ein eindrucksvolles Beispiel für Agasses Begabung ist unser Gemälde Schimmel auf der Weide – eines der Hauptwerke des Künstlers. Es muss sich hier um einen ganz besonderen Schimmel handeln, der so stolz und majestätisch ins Bild gesetzt wurde. Die meisterhafte Durcharbeitung des silbrig schimmernden Pferdekörpers sowie die Eleganz seiner Statur, die von Mähne und kupiertem Schwanz unterstrichen wird, machen das Bild zu einem eigentlichen Pferdeporträt. Der schlichte, monochrome Hintergrund betont die kühle Noblesse des Tieres zusätzlich.

Der Überlieferung nach stammt das Winterthurer Bild aus dem Besitz von Lord Rivers, so dass es als Auftragsarbeit für ihn gemalt sein dürfte. Vielleicht zeigt es sein Lieblingspferd oder den erfolgreichen Sieger von legendären Derbys. Vermutlich entstand das Gemälde im Sommer 1806, als Agasse auf Einladung von Lord Rivers für einige Zeit auf dessen Anwesen in Hampshire weilte. Dort schuf der Künstler eine ganze Reihe von Pferdedarstellungen, welche sowohl seine Leidenschaft für Tiere wie auch sein Talent für dieses Genre zum Ausdruck bringen.