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Kunstmuseum Winterthur:

Joseph Anton Koch

Das Wetterhorn, 1824

Joseph Anton Koch - Das Wetterhorn mit dem Reichenbachtal

Joseph Anton Koch
Das Wetterhorn mit dem Reichenbachtal
, 1824
Kunst Museum Winterthur, Stiftung Oskar Reinhart, Ankauf, 1950
Foto: SIK-ISEA, Zürich (Philipp Hitz)

Joseph Anton Koch stammte aus dem Tirol. Er verbrachte aber den grössten Teil seines Lebens in Rom, wo er zum Haupt einer deutschen Künstlerkolonie wurde. In seiner Malerei setzte er sich intensiv mit der italienischen Renaissance auseinander, aber auch mit den Gemälden des wichtigen Landschaftsmalers Claude Lorrain. Aus dieser Beschäftigung entwickelte er bald eine völlig neue Auffassung der Landschaftsmalerei und wurde mit ihr zum Vorbild für eine ganze Generation junger Künstler. Seine sogenannten «heroischen Landschaften» standen in direkter Opposition zur traditionellen Vedutenmalerei und zielten anders als diese nicht auf eine liebliche Idylle, sondern zeigen die Natur von ihrer schauerlich-schöne Seite – Oder wie es in der zeitgenössischen Philosophie hiess: das Erhabene.

Bevor Koch jedoch nach Italien auswanderte, hielt er sich für längere Zeit in der Schweiz auf und lebte unter anderem in Basel, Biel und Neuenburg. 1794 bereiste er das Berner Oberland und schuf dort zahlreiche Naturstudien nach Wasserfällen, Berggipfeln und Gletschern. Diese dienten ihm zeitlebens als Fundus für seine Bilder mit alpinen Themen. Zwar beschäftigte sich der Wahl-Römer vor allem mit der südlichen Landschaft Italiens, doch auch die Alpen blieben zeitlebens ein wichtiges Thema in seinem Schaffen. Und so schuf er noch 1824, auf dem Höhepunkt seines Schaffens, das Wetterhorn.

In diesem Gemälde werden alle Register der «heroischen Landschaft» gezogen: Durch die detailreiche, extrem scharfzeichnende Malerei holt der Maler das imposante Bergmassiv ganz nah an den Betrachter heran. Alle drei Bildzonen sind so stark ausgearbeitet, dass auch das Wetterhorn – eigentlich ja im Hintergrund – eine äussert starke, fast physisch fühlbare Präsenz erhält. Die unbezwingbar wirkende Natur, voll mit dichtem Grün, schroffen Steinen und abgestorbenen Bäumen, weist kaum Spuren von menschlicher Zivilisation auf – erst auf den zweiten Blick entdeckt man das Bauernpaar links und die winzige Figur in der Bildmitte. Sie lassen mit ihrer verschwindend kleinen Grösse die Rohheit der Wildnis noch monumentaler wirken. Der Berg und die Natur wirken schön und abweisend zugleich, sie lassen uns staunen und gleichzeitig schaudern – Das ist Erhabenheit der Natur, das ist die «heroische Landschaft».