Logo Kunstmuseum Winterthur

Kunstmuseum Winterthur:

Juan Gris

Pierrot, 1919

Juan Gris - Pierrot

Juan Gris
Pierrot, 1919
Kunst Museum Winterthur, Legat Dr. Emil und Clara Friedrich-Jezler, 1973
Foto: SIK-ISEA, Zürich (Martin Stollenwerk)

Die Ausstrahlung der kubistischen Bilder von Picasso und Braque war schon vor dem Ersten Weltkrieg ungemein stark. Der Spanier Juan Gris fand darin die Grundlage für sein Werk; allerdings ging er einen ganz eigenen Weg. Dieser Weg führte ihn zu einer strengen, klassischen Bildgestaltung.

Um 1920 findet man zahlreiche Harlekine und Pierrots in der Kunst. Wieder war es Picasso, der die Theaterfiguren als erster in seine Bilder aufgenommen hatte. Pierrot ist in der italienischen Commedia dell’arte der Clown im weissen Gewand, der die Gitarre trägt. Er ist der Rivale des Harlekins. Auf den französischen Jahrmarktbühnen wurde er populär. Hier machte man aus ihm die reine, unschuldige Figur, mit der sich Künstler identifizierten. Das Motiv des Pierrots war für Gris eine bewusste Wahl; er huldigte damit der französischen Tradition.

Doch mit Theater hat dieser Pierrot nichts zu tun. Er spielt nicht, er steht ruhig im Zentrum des Bildes. Kopf, Rumpf, Arme und Beine sind geometrische Formen, nicht anders als der Tisch, die Gitarre und der Vorhang mit der grossen Kordel rechts. Die Reihe der Knöpfe, die Falten der Jacke, der gewürfelte Boden – überall findet Gris Elemente, die ihm zur Gestaltung dienen. Auffällig sind die Linien, die durch das Bild laufen: Die Mittelachse geht durch Antlitz und Jacke; eine Diagonale führt über die Tischkante und den ausgestreckten rechten Arm bis zu den Vorhangfransen am rechten Bildrand.

Die Formen im Bilde antworten aufeinander: Die bauchige Gitarre entspricht der Kopfform des Pierrots. Licht- und Schattenflächen sind frei verteilt; sie sind unabhängig von einer Lichtquelle und schaffen zwischen den Formen im Bild ein Gleichgewicht. Daraus entsteht unter Gris‘ Hand ein dichtes Gewebe.