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Kunstmuseum Winterthur:

Max Beckmann

Frau in weissem Hemd (lesend), 1947

Max Beckmann - Frau in weissem Hemd (lesend)

Max Beckmann
Frau in weissem Hemd (lesend)
, 1947
Kunst Museum Winterthur, Schenkung der Volkart Stiftung, 2009
Foto: SIK-ISEA, Zürich (Martin Stollenwerk)

Der deutsche Maler Max Beckmann verbrachte den Zweiten Weltkrieg im Exil in Amsterdam. Als die ersten Schiffe wieder fuhren, emigrierte er in die Vereinigten Staaten. Oben rechts im Bild kann man unter der Unterschrift «Beckmann» lesen: «St. L. 47». Gemeint ist damit die Stadt St. Louis in Missouri. Beckmann trat hier im Herbst 1947 eine Professur an der Kunstschule an.

Hier entstand das Bild der lesenden Frau. Sie sitzt in Unterhemd und dunklen Strümpfen auf einem Polsterstuhl und ist in die Lektüre eines Magazins vertieft. Den Kontakt zum Betrachter vermeidet sie, ihr Gesicht mit dem gesenkten Blick ist teilweise verdeckt. Kein Requisit lenkt von ihr ab, ausser den spitzen Tulpen an ihrer Seite. Wer ist diese Unbekannte? Sie erinnert an ein Modell von Edouard Manet. Er malte siebzig Jahre früher eine lesende Frau im Kaffeehaus – damals ein neues Bildmotiv. Doch die Zeiten haben sich seither verschlechtert; der Krieg hat seine Spuren hinterlassen: Die grossbürgerliche Eleganz des 19. Jahrhunderts ist vorbei; Zeichen der Gegenwart sind das zerrissene Hemd und die bunte Illustrierte.

Beckmanns Malerei wechselt zwischen kantiger Härte und sinnlicher Farbigkeit. Er ist ein grosser Kolorist: Die Figur zeichnet er in markantem Schwarz. Das schmutzige Weiss des Hemdes und das helle Rosa des Körpers sind fein abgestuft vor einem grauen Hintergrund. Vorn beschliesst das dunkle Grau der Strümpfe die Figur. Aus diesen zarten Tönen leuchtet das Orangerot des Fauteuils, der Armspange und der Haare.