Logo Kunstmuseum Winterthur

Kunstmuseum Winterthur:

Odilon Redon

Alsace oder Moine lisant, um 1914

Odilon Redon - Alsace oder Moine lisant

Odilon Redon
Alsace oder Moine lisant, um 1914
Kunst Museum Winterthur, Schenkung des Galerievereins, 1919
Foto: Hans Humm, Zürich

Odilon Redon ist einer der grossen Einzelgänger der französischen Malerei. Sein Weg lag abseits von Realismus oder Impressionismus. Als junger Mann war er tief beeindruckt vom Romantiker Eugène Delacroix. Die leuchtende Farbigkeit von Delacroix’ Bildern bedeutete ihm viel.

Das Bild mit einer lesenden Figur stammt aus den letzten Jahren Redons. Auf dem Buch steht das Wort «Alsace». Vielleicht ist dies eine Anspielung auf das Elsass, das Frankreich 1870 an Deutschland verloren hatte. Vor dem Ersten Weltkrieg, als dieses Bild entstand, war das verlorene Elsass in Frankreich in aller Munde.

Redons Darstellung zeigt aber nichts Zeitgenössisches. Die Figur ist in die Lektüre des Buchs versunken; das lesende Auge ist hervorgehoben. Der Mann trägt eine anliegende Haube und ist in ein geschlossenes Gewand gekleidet. Ob er ein Mönch ist? Das bleibt offen. Auf seiner Brust scheinen Farben aufzublühen – sind sie auf dem Gewand oder leuchten sie aus dem Inneren? Die Farben verleihen der Figur eine Aura, sie verweisen auf die verborgene, innere Welt des Lesenden.

1916 starb Redon. Die erste Museumsausstellung seiner Bilder fand 1919 im Kunstmuseum Winterthur statt. Bei dieser Gelegenheit gelangten zwei Gemälde in die Sammlung.