Piet Mondrian
Composition I, 1930

Piet Mondrian
Composition no. I, 1930
Kunst Museum Winterthur, Legat Dr. Emil und Clara Friedrich-Jezler, 1973
Foto: SIK-ISEA, Zürich (Martin Stollenwerk)
Piet Mondrian ist der Inbegriff des abstrakten Malers. Er schätzte diesen Begriff: ‹abstrakt›, der für ihn das Grundlegende und das Universelle an der Kunst bedeutete. So sah sich Mondrian auch nicht als holländischen Maler. Er zog es vor, in Paris zu arbeiten, der Hauptstadt der internationalen Avantgarde.
Die beiden Bilder in der Winterthurer Sammlung von 1930 und 1932 zeigen dieses Grundlegende, mit dem sich Mondrian beschäftigte. Es sind die sichtbaren Eigenschaften der Bilder: Mondrian verwendete die Primärfarben Rot, Gelb und Blau. Sie stehen den Nicht-Farben Schwarz, Weiss und Grau gegenüber. Die Flächen und die horizontalen und vertikalen Linien sind weitere Gegensatzpaare.
In Mondrians Bildern sollte es kein Zentrum und keine Rangordnung geben. Er gab jedem Element sein Gegenstück: So erhielt die Komposition Ausgleich und Harmonie. Mondrian war sich der Gefahr bewusst, dass Harmonie schematisch werden könnte. Er arbeitete daher daran, Schemata aufzubrechen.
Das Bild mit dem gelben Quadrat ist ein Beispiel dafür. Sehen Sie lauter gleiche Quadrate? Schauen Sie genau hin, und es fällt Ihnen auf, dass alle Felder leicht verschieden voneinander sind. Das Gelb ist exzentrisch platziert. Es bringt die Komposition beinahe aus dem Gleichgewicht; doch das grosse Quadrat hält dem Gelb stand.

Piet Mondrian
Composition A, 1932
Kunst Museum Winterthur, Legat Dr. Emil und Clara Friedrich-Jezler, 1973
Foto: SIK-ISEA, Zürich (Martin Stollenwerk)
Im Bild mit dem roten und blauen Rechteck haben sich die Gewichte verändert: Die Flächen sind jetzt deutlich verschieden gross. Das Auge springt diagonal von einer Farbe zur anderen und vom grossen weissen Quadrat zu den kleineren Quadraten.
Gleichgewicht war für Mondrian nicht statisch. Er schrieb, das Gleichgewicht habe nichts zu tun mit «einem alten Mann im Lehnstuhl oder mit zwei gleichgrossen Kartoffelsäcken auf einer Waage». Seine Harmonie sollte dynamisch sein wie die Harmonie, die er in der Jazzmusik fand, die er liebte.