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Kunstmuseum Winterthur:

René Magritte

Le monde perdu, 1928

René Magritte - Le monde perdu

René Magritte
Le monde perdu, 1928
Kunst Museum Winterthur, Ankauf, 1984
Foto: SIK-ISEA, Zürich (Philipp Hitz)

Brüssel und Antwerpen waren in den zwanziger Jahren zwei wichtige Zentren der Avantgarde. Um den Maler René Magritte scharte sich in Brüssel ein Kreis von Literaten. Scharfsinnig, humorvoll und polemisch verspotteten sie das konventionelle Denken und experimentierten mit neuen Formen.

Eine dieser Erfindungen waren Bilder, in denen Wörter die Hauptrolle spielten. Magritte stellte sich Bilder vor, «in denen der Blick ‹denken muss›», wie er sagte, «und zwar auf eine ganz andere Weise als üblich».

Le monde perdu – zu deutsch Die verlorene Welt, 1928 gemalt, ist ein solches Sprachbild. Die graue Fläche erinnert an eine Landkarte: Darauf deutet der Schriftzug «PAYSAGE» hin. Auf dieser Landkarte sind Formen gezeichnet, die an Wasserläufe erinnern. Sie sind beschriftet mit «personnage perdant la mémoire» und mit «corps de femme». Die plakative Schönschrift ist aus zeitgenössischen Schulwandbildern vertraut. Daneben liegt ein schwarzer Fleck; er ist durch einen Hinweisstrich mit dem Wort «cheval» verbunden.

Offensichtlich passen Wörter und Formen nicht zusammen. Bild und Aussage klaffen auseinander – wie sollen wir dies verstehen? Die Malerei diente Magritte als Instrument zur Darstellung philosophischer Probleme. Ein solches Problem ist die rätselhafte Beziehung zwischen Bild, Sprache und Wirklichkeit.

In seinen Sprachbildern bricht Magritte den selbstverständlichen Umgang mit Sprache und Bild auf. Verunsichert vernimmt der Betrachter darin «das Schweigen der Welt», wie Magritte dies nannte.