Sophie Taeuber-Arp
Relief rectangulaire, cercles découpés, rondelles sur tiges, 1936

Sophie Taeuber-Arp
Relief rectangulaire, cercles découpés, rondelles sur tiges, 1936
Kunst Museum Winterthur, Dauerleihgabe aus Privatbesitz, 2001
Foto: SIK-ISEA, Zürich (Philipp Hitz)
Die Schweizerin Sophie Taeuber-Arp gehört mit Picasso und Mondrian zu einer der bedeutendsten Vertreterinnen der Klassischen Moderne. Sie hat in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ein vielseitiges Œuvre zwischen angewandter und freier Kunst geschaffen. Dabei stellte sie konventionelle Grenzen in Frage und verband stets Kunst und Leben. Sie arbeitete disziplinübergreifend, von Arbeiten auf Papier, Malerei, Textilien und Skulpturen über Design und Architektur bis hin zu Tanz und Performance. Bereits mit ihren frühen textilen Arbeiten und Entwurfszeichnungen und spätestens mit ihren Gemälden und Reliefs der 1930er Jahre gilt sie als eine Vorreiterin der Abstraktion.
Auch das Wandrelief aus Holz, auf dem farbige Kreisformen einer Choreografie zu folgen scheinen, stammt aus dieser Zeit. Das Werk überträgt das von Taeuber-Arp so wichtige Zusammenspiel von Formen und Farben, von regelhafter Verankerung und unbekümmertem Aus-der-Reihe-Tanzen in die Dreidimensionalität: Es spalten sich Kreise und drängen sich in vertikale Reihen hinein, Ausschnitte in der Holzplatte durchbrechen die Muster und geben den Blick auf die dahinterliegende Wand frei, während sich Blautöne, die auf den ersten Blick identisch wirken, als farblich abgestuft entpuppen. Das Auge sucht unwillkürlich nach einem System in der Anordnung, ohne fündig zu werden. Die Kreisformen folgen keinen Regeln und keinem Muster: Jede Ahnung von Ordnung wird konsequent unterlaufen.
Gerade hierin liegt das Faszinierende und Reizvolle an Taueber-Arps Abstraktionen, die in einer klaren, heiteren und allgemeinverständlichen Sprache den Geist und die Sinne ansprechen und in Bewegung bringen.