Vincent van Gogh
Joseph Roulin, 1888

Vincent van Gogh
Joseph Roulin, 1888
Kunst Museum Winterthur, Schenkung der Erben von Georg Reinhart, 1955
Foto: SIK-ISEA, Zürich (Lutz Hartmann)
Van Gogh wohnte in Arles im Café de la Gare. Hier lernte er auch den Posthalter Joseph Roulin kennen, der ein Stammgast des Cafés war. Roulin beeindruckte ihn mit seinen politischen Tiraden und seinem Kopf, der ihn an Sokrates erinnerte. Diese Persönlichkeit malte van Gogh sechsmal, er malte aber auch dessen Familie – Roulins Frau und Kinder. Einfache Leute aus dem Volk, die im Portrait erhöht wurden. Van Gogh wollte sein Modell deutlich malen, damit jeder sehen könne, worum es ging.
Der auffällige Kontrast von Gelb und Blau unterstreicht dies. Es sind ungebrochene Farbtöne, direkt aus der Tube auf die Leinwand gebracht. Gelb ist der Hintergrund, gelb sind die Messingknöpfe der Uniform, gelb leuchtet der Schriftzug auf der Mütze. Auch im Gesicht und im Bart findet sich Gelb. Tiefblau ist dagegen die Uniform des Postboten. Im Bart mischen sich Blau und Gelb zu grünlichen Tönen. Die Farbe ist auf dem Hintergrund flächig aufgetragen; die Figur hebt sich davon deutlich ab. Sie ist in festen schwarzen Linien gezeichnet, eine Stilisierung, die sich an japanische Holzschnitte anlehnt. Van Gogh hatte solche in Paris begeistert gesammelt.
Gesicht und Bart sind mit feinen Pinsellinien gestaltet. Auch darin zeigt sich die Stilisierung der Figur. Die freie, intensive Farbigkeit, das Nebeneinander von Zeichenlinie und Fläche sind Merkmale von van Goghs neuartigem dekorativen Stil.