Gilles François Closson
Amalfi, Wokenstudie, o. J.
Gilles François Closson
Amalfi, Wolkenstudie, o. J.
Frits Lugt Collection, Fondation Custodia, Paris
Bis vor nicht allzu langer Zeit weitgehend unbekannt, gilt Closson heute als einer der bedeutendsten Landschaftsmaler seines Heimatlandes Belgien. In Liège geboren, zog er 1817 nach Paris, wo er beim berühmten Historienmaler Antoine-Jean Gros in die Lehre ging. 1825 brach er, wie viele seiner Kollegen, zu einer mehrjährige Italienreise auf.
Die dynamische internationale Gemeinschaft der Pensionnaires und Expatriates, zu der Künstler wie Johan Christian Dahl und Anton Sminck Pitloo, inspirierten ihn dazu, die akademische Historienmalerei aufzugeben und sich ganz der Landschaft sowie dem Naturstudium zuzuwenden. Er durchstreifte die römische Campagna, zeichnete und malte im Kolosseum und reiste bis nach Neapel. Dort kam er mit den Künstlern der «Schule von Posillipo» in Kontakt – einer Gruppe von Landschaftsmalern, die sich um den dort lebenden und lehrenden Niederländer Anton Sminck Pitloo versammelt hatte.
Clossons Malen vor dem Motiv zeichnet sich durch eine aussergewöhnliche Treffsicherheit aus, die dank seiner genauen Beobachtungsgabe, gepaart mit einer grossen Ökonomie der Mittel, zustande kommt. Viele seiner Ölstudien weisen ein bewusste eingesetztes Non-Finito auf, eine Ästhetik des Unfertigen. Der Künstler neigte dazu, ein einzelnes Motiv scharf und plastisch auszuarbeiten, während er den Rand des Papiers jedoch unangetastet liess. Die Grundierung bleibt dadurch als offener Bildraum sichtbar, der das Motiv zugleich rahmt und seine Fortsetzung über die Bildgrenzen hinaus andeutet. Dadurch wird den Betrachtenden die Beschaffenheit des Werks – Ölfarbe auf Papier –vor Augen geführt, was in einem reizvollen Kontrast zum täuschenden Charakter seiner brillanten Malerei steht.