André Giroux
Blick auf Cassano allo Ionio, Cosenza, Kalabrien, um 1827/1829
André Giroux
Blick auf Cassano allo Ionio, Cosenza, Kalabrien, um 1827/1829
Privatsammlung
Während sich die meisten Künstler, die sich damals in Rom aufhielten und sich der Landschaftsmalerei widmeten, auf Ausflüge in die römische Campagna beschränkten und höchstens nach Umbrien oder an den Golf von Neapel mit Capri und Ischia reisten, stiess André Giroux weit in den Süden vor. Kalabrien galt zu Beginn des 19. Jahrhunderts als wild, infrastrukturell kaum erschlossen und wegen der grassierenden Malaria sowie der Gefahr durch Banditen – den Brigantaggio – als äusserst riskantes Reiseziel. Dass Giroux bis nach Cassano allo Ionio reiste, zeugt von einem enormen Drang nach neuen, unberührten und topografisch dramatischen Motiven jenseits der etablierten Reiserouten.
Giroux wuchs im Epizentrum des Pariser Kunstbetriebs auf. Sein Vater, François-Simon-Alphonse Giroux, war Restaurator und Kunsthändler. Giroux zeigte früh Talent, debütierte bereits mit 18 Jahren am Pariser Salon und studierte ab 1821 an der École des Beaux-Arts, wo ihn die klassizistische Landschaftstradition nachhaltig prägte. 1825 gewann er den prestigeträchtigen Prix de Rome in der Kategorie der Historischen Landschaft, der Paysage historique. Mit der Auszeichnung war ein fünfjähriges Stipendium an der französischen Akademie in Rom, der Villa Medici, verbunden. Obwohl er für komponierte Atelierlandschaften prämiert worden war, verschrieb er sich in Italien nahezu vollständig dem Malen in der Natur. Gemeinsam mit Freunden wie Camille Corot und Léon Fleury zog er in die römische Campagna – und dann eben noch weiter in den unerschlossenen Süden.
Interessanterweise gab Giroux später dann die Malerei auf und wandte sich dem neuesten Medium der Bildherstellung zu: Er wurde Fotograf.