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Kunstmuseum Winterthur:

Carl Blechen

Die Ruinen des Septizoniums auf dem Palatin in Rom, 1829

Carl Blechen - Die Ruinen des Septizoniums auf dem Palatin in Rom

Carl Blechen
Die Ruinen des Septizoniums auf dem Palatin in Rom, 1829
Kunst Museum Winterthur, Stiftung Oskar Reinhart, Ankauf, 1950
Foto: SIK-ISEA, Zürich (Philipp Hitz)

Als der Berliner Maler Carl Blechen im Spätsommer 1828 nach Italien aufbrach, befand er sich in einer tiefen persönlichen und künstlerischen Krise. Doch der Aufenthalt im Süden wirkte wie ein Befreiungsschlag. Diese kleinen, meisterhaften Ölstudien zeigen Blechen auf dem absoluten Höhepunkt seiner gestalterischen Radikalität.

Während die eine aus der Sammlung Oskar Reinhart den Blick auf die Ruinen des Septizoniums richtet, zeigt die andere das Colosseum. Diese befindet sich als Dauerleihgabe in der Fondation Custodia in Paris. Die beiden Werke könnten sogar am selben Tag entstanden sein, so eng verwandt sind sie. Hier sind sie zum ersten Mal seit ihrer Entstehung wieder vereint zu sehen.

BLECHEN_Colosseum

Carl Blechen
Das Kolosseum in Rom, 1829
Fondation Custodia, Paris

Anders als die Generation der klassischen Romantiker vor ihm suchte Blechen in den antiken Ruinen keine nostalgische Poesie und keine geschichtsträchtige Verklärung. Stattdessen faszinierte ihn die nackte, physische Realität des Ortes unter der sengenden Sonne Italiens.

Mit einem beinahe modernen, seismografischen Gespür bricht Blechen die monumentale Architektur in reine Licht- und Farbwirkungen auf. Das antike Mauerwerk wird nicht im Detail gezeichnet, sondern mit kühnem, pastosem Pinselstrich als flächiges Gefüge aus warmen Ocker-, Braun- und Rottönen auf die Leinwand gebracht. Es ist das gleissende, unerbittliche Mittagslicht, das hier zum eigentlichen Hauptdarsteller wird: Es modelliert die harten Kanten der Bögen und Schlagschatten vor einem blossen Blau darüber. Jede romantische Sentimentalität ist aus diesem Bild gewichen; an ihre Stelle tritt die reine, unmittelbare Seherfahrung unter freiem Himmel. Mit dieser kompromisslosen Konzentration auf die Atmosphäre des Augenblicks erwies sich Blechen in seiner römischen Zeit als ein Revolutionär der deutschen Landschaftskunst und ebnete damit den Weg zum Realismus.