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Kunstmuseum Winterthur:

Ein mutiger Entscheid

Kunstgeschichten

brancusi ei
Constantin Brancusi - Danaide

Constantin Brancusi
Danaïde, um 1913
Kunst Museum Winterthur, Ankauf, 1951
Foto: SIK-ISEA, Zürich (Jean-Pierre Kuhn)

© ProLitteris, Zürich

Unsere Danaïde steht für den mutigen Entscheid des Kunst Museum Winterthur, sich für die abstrakte Kunst zu öffnen. Mein Name ist Andrea Lutz, ich arbeite am Kunst Museum Winterthur als Kuratorin und Sammlungsverantwortliche.

Im Mai 2026 wurde bei Christie’s New York eine Danaïde für über 100 Millionen Dollar verkauft. Eine Version dieser Danaïde – es gibt nämlich insgesamt sechs Versionen –befindet sich bei uns im Kunst Museum Winterthur. Der Preis ist interessant und spektakulär aber mich als Kunsthistorikerin fasziniert viel mehr die Geschichte des Kunstwerks und das Kunstwerk selbst.

Der damalig Museumskonservator Hans Keller hatte 1951 die Danaïde von London nach Winterthur kommen lassen und sie dem Vorstand zum Kauf vorgeschlagen. Interessant ist vor allem auch die Debatte, die sie ausgelöst hatte. Denn bislang gab es bei uns im Museum noch keine abstrakte Kunst. Es gab zwei Lager: die einen fanden das Kunstwerk ausdrucksstark, wunderschön und sensibel. Für die anderen war sie eine Kühlerfigur oder ein nichtssagendes Ei. Trotzdem wurde die Skulptur damals mit einer knappen Mehrheit angekauft – für 6000 Franken. Verglichen mit dem Rekordpreis von heute ist das fast bescheiden aber für damals war das trotzdem eine grosse Summe – auch für den Kunstverein Winterthur.