Wilhelm Lehmbruck
Emporsteigender Jüngling, 1913–1914 / Grosse Sinnende, 1913

Wilhelm Lehmbruck
Büste des Emporsteigenden Jünglings, 1913–1914
Kunst Museum Winterthur, Ankauf, 1968
Büste der Grossen Sinnenden, 1913
Kunst Museum Winterthur, Ankauf mit Mitteln aus dem Fonds für gemeinnützige Zwecke des Kantons Zürich, 1996
Fotos: SIK-ISEA, Zürich (Lutz Hartmann)
Am Anfang des 20. Jahrhunderts war Paris nicht nur die Stadt der führenden Maler, sondern auch der grossen Bildhauer. Rodin, Maillol, Medardo Rosso.
Wilhelm Lehmbruck kam 1910 aus dem Rheinland nach Paris. Hier schuf er bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs seine bedeutendsten Arbeiten. Dazu zählen die grossen Figuren Emporsteigender Jüngling und Grosse Sinnende. Von beiden Figuren gibt es Teilfassungen, die nur Kopf und Oberkörper zeigen. Diese Büsten konzentrieren sich ganz auf den Ausdruck; die extreme Längung von Hals und Kopf tritt darin noch deutlicher hervor. Die Büsten steigern den Stimmungsgehalt der Figur.
Der Kopf des Jünglings ist nach vorn geneigt. Der schrundige Hals erinnert an Rodins Pierre de Wissant. Ihm steht die geschlossene feine Form des Mädchenkopfs gegenüber. Der Kopf ist im Verhältnis zu Hals und Oberkörper leicht schräg gestellt. Der Oberkörper ist wie eine Architektur gebaut: Schultern und Brüste sind gewölbeartige Formen.
Die beiden Figuren sind keine Bronzen, sie sind aus Gips- oder Steinmehl gegossen. Die Färbung des Materials in Rotbraun oder Graugrün prägt ihre Erscheinung. Jüngling und Mädchen sind aufeinander bezogen. Weder sind sie ein Paar, noch stehen sie einander gegensätzlich gegenüber. Sie zeigen zwei charakteristische Haltungen: Er scheint aufstrebend entschlossen, sie in sich selbst versunken. Die beiden Figuren sind für sich und ziehen einander doch an. Lehmbruck zeigt die Figuren als Individuen. Gemeinsam ist ihnen die geistige Dimension, die Verinnerlichung.

Wilhelm Lehmbruck
Büste des Emporsteigenden Jünglings, 1913–1914
Kunst Museum Winterthur, Ankauf, 1968
Büste der Grossen Sinnenden, 1913
Kunst Museum Winterthur, Ankauf mit Mitteln aus dem Fonds für gemeinnützige Zwecke des Kantons Zürich, 1996
Fotos: SIK-ISEA, Zürich (Lutz Hartmann)